Im Vallée de Joux, in Les Bioux, gründeten die Brüder Jean (John) und Charles Reymond im 1901 die Werkstatt J. & C. Reymond Frères. Schon früh spezialisierte sich das Unternehmen auf Chronographenmechanismen und führte in den 1920er Jahren die Marke Valjoux ein (Kurzform von „Vallée de Joux“). 1929 erfolgte die Umbenennung in Valjoux SA — die Firma war zu diesem Zeitpunkt bereits für hochwertige Chronographen-Ébauches für Taschen- und Armbanduhren bekannt.
Ab 1905 meldete Reymond Frères zentrale Patente an, u.a. für den Chronographen (CH 33002) und den Sofortsprung des Zählers (CH 35120). Es folgten Patente für Monodrücker-Chronographen (1914, 1916), die Zusammenarbeit Valjoux–Guinand (1923) sowie der Meilenstein der Zweidrücker-Architektur (1935), die bis heute Standard ist.
Diese Kaliber trieben eine große Zahl renommierter Marken an (Rolex, Heuer, Breitling, Universal Genève, Patek Philippe, Vacheron Constantin, JLC, Doxa …) und prägten das Erscheinungsbild der Chronographen der 1940er bis 1970er: gerade Drücker, Tricompax-Anordnung, Säulenradsteuerung.
Berühmte Beispiele: Rolex Daytona Handaufzug (1963–1988, 72B/722/727), Heuer Carrera 2447, Universal Compax „Nina Rindt“, frühe Navitimer pre-806.
1944 trat Valjoux der Holding Ébauches SA bei. Das sicherte Versorgung, Standardisierung und Investitionen in Werkzeug und Maschinen. Die Spezialisierung auf Chronographen blieb identitätsstiftend.
Als modernisierter Nachfolger von 23/72 behielt das Valjoux 92 ein Säulenrad (mit 7 Säulen statt 9) und führte den Schwingtrieb (oscillating pinion) ein — eine schlankere, produktionstaugliche Kupplung. Das Werk fand breite Anwendung in den 1950er–60er Jahren.
1966 übernahm Valjoux Venus und damit die kostengünstige Venus-188-Architektur mit Nockenschaltung (cam switching). Als Valjoux 7730 neu aufgelegt und später zu 7733/7734/7736 weiterentwickelt, motorisierte diese Familie unzählige Chronographen von Heuer, Breitling, Hamilton u.a. — und machte die Komplikation breitenfähig.
1973 entwickelte das Team um Edmond Capt das Valjoux 7750 — einen Automatik-Chronographen mit Nockenschaltung, von Beginn an für CNC-große Serien gedacht. Während der Quarzkrise vorübergehend eingestellt, feierte das 7750 in den 1980ern ein starkes Comeback (IWC, Sinn, TAG Heuer …). Es brachte zahlreiche Varianten hervor: 7751 (Vollkalender + Mond), 7753 (Tricompax), 7754 (GMT) u.a.
Valjoux war seit 1944 Teil von Ébauches SA und ging im Zuge der Restrukturierungen 1979–86 in den Orbit von ETA über. Der Name „Valjoux“ wurde am 1. Oktober 1992 offiziell von ETA übernommen. Heute ist „ETA 7750“ geläufig, die Valjoux-DNA bleibt jedoch spürbar.
| Valjoux-Kaliber | Ikonische Uhren |
|---|---|
| 22 (1914) | Taschen-Chronographen, frühe Armband-Chronos (1920er) |
| 23 (1916) | Universal Genève Compax, Heuer 1940er–50er, Patek Philippe Ref. 130 |
| 72 (1938) | Rolex Daytona (6239, 6262, 6263), Heuer Carrera 2447, UG Compax „Nina Rindt“ |
| 72C / 88 | Rolex Ref. 6036 & 6236 (Vollkalender + Mondphase), UG Tri-Compax |
| 92 (1950er) | Breitling Premier, frühe Heuer Autavia |
| 7730/7733/7734 (1966–70er) | Hamilton Chrono-Matic, Heuer Camaro, Breitling Top Time |
| 7750 (1973–…) | IWC Fliegerchronograph 3706, TAG Heuer Carrera (7750-basiert), Sinn 103 |