Collection Christian Etienne

Cornavin Watch Genf 1955

In der Sammlung restaurierter Armbanduhren nimmt die Cornavin Genf P.810 einen besonderen Platz ein. Selten, geheimnisvoll und mit einem weltweit einzigartigen Zifferblatt ausgestattet, verkörpert diese Taucheruhr der 1950er-Jahre sowohl technische Kühnheit als auch die funktionale Ästhetik ihrer Zeit.

Die Cornavin P.810 (oft auch AMF Diver P.810 genannt) ist erkennbar an :
  • ihrem Dekompressionszifferblatt – eine technische Tabelle mit Tauchstufen bis 40 m, angeordnet in konzentrischen Kreisen ;
  • der Stundenanzeige über eine rotierende Scheibe (sogenannte Wandersunde), sichtbar durch ein Fenster ;
  • ihrem automatischen Felsa 810 Bidynator mit beidseitigem Aufzug ;
  • ihrem großen Edelstahlgehäuse, rückseitig graviert „Cornavin Genf P.810 AMF Diver“ ;
  • ihrer Seltenheit – nur wenige Exemplare haben in einem derart ursprünglichen Zustand überlebt.
Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Die Idee dahinter – das Patent des Tauchers Jayet

Am Ursprung dieses Projekts steht der Taucher David L. Jayet. Er entwickelte ein Zifferblatt mit integrierten Dekompressionstabellen in Form konzentrischer Ringe und meldete das Schweizer Patent Nr. 312741 an, das das Prinzip und seine Anwendung in einer Armbanduhr beschreibt. Mit dieser Erfindung wandte er sich an Cornavin Genf. Nach langen technischen Gesprächen und mehreren Prototypen entstand die P.810 – eine Uhr, die Jayets Konzept für Berufstaucher Wirklichkeit werden ließ.

Eine außergewöhnliche Entdeckung in der Werkstatt

Als diese Cornavin in meiner Werkstatt ankam, schien sie noch nie geöffnet worden zu sein. Der Gehäuseboden war so fest verschlossen, dass kein Standardwerkzeug ihn gefahrlos lösen konnte – ich musste ein Spezialwerkzeug anfertigen, um ihn ohne jede Spur zu öffnen.

Der Anblick war verblüffend: das Uhrwerk Felsa 810 Bidynator befand sich in nahezu neuwertigem Zustand, perfekt erhalten nach Jahrzehnten in einer Schublade. Die alten Öle waren verharzt, doch die Mechanik blieb intakt.

Eine respektvolle Restauration

Das Uhrwerk wurde vollständig zerlegt, gründlich gereinigt und mit modernen Schmierstoffen wieder montiert.

Das Zifferblatt wurde nur vorsichtig gereinigt, um die originale Bedruckung und Patina zu bewahren. Zeiger und Leuchtmasse blieben unverändert. Neue Dichtungen wurden eingesetzt und die Wasserdichtheit geprüft (im Rahmen eines historischen Modells).

Nach der Regulierung lief der Bidynator wieder an – mit bemerkenswerter Präzision, ein Beweis für die Qualität des Felsa-Uhrwerks.

AMF – eine unerwartete Partnerschaft

Die Gravur AMF auf dem Gehäuseboden erinnert an die Zusammenarbeit zwischen Cornavin Genf und der amerikanischen Firma American Machine & Foundry.

AMF war bekannt für industrielle Geräte, Fahrräder und Bowlinganlagen und suchte in den 1950er-Jahren neue Wege, sein technisches Image zu erweitern. Das Unternehmen vertrieb mehrere Schweizer Uhren unter dem Namen AMF Diver – eine Verbindung amerikanischer Ingenieurskunst und Schweizer Präzision.

Diese doppelte Signatur Cornavin – AMF ist ein seltenes Zeugnis einer Zeit, in der zwei Welten – Schweizer Uhrmacherei und amerikanische Industrie – im Streben nach Zuverlässigkeit und Innovation aufeinandertrafen.

Zwischen Technik und Poesie

Die Cornavin P.810 steht für die Zeit, in der uhrmacherische Erfindungskraft auf das junge Tauchen traf. Ihr Dekompressionszifferblatt war kein Schmuckelement – es war ein wissenschaftliches Instrument zur Sicherheit unter Wasser.

Die wandernde Stundenanzeige verleiht der Uhr eine poetische Note: Die Zeit offenbart sich langsam im Fenster – wie der Aufstieg des Tauchers zurück an die Oberfläche.

Ein Zeugnis seiner Zeit

Nach Jahrzehnten in Vergessenheit wiederentdeckt, ist diese Cornavin Genf P.810 weit mehr als eine technische Kuriosität – sie ist ein lebendiges Zeugnis der Zusammenarbeit zwischen einem erfinderischen Taucher, einer mutigen Genfer Manufaktur und einem amerikanischen Industriepartner.

Mit größtem Respekt vor ihrer Authentizität restauriert, läuft sie heute wieder – und hat ihren Platz in der Geschichte der Taucheruhren zurückgewonnen.
Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Cornavin Genf 1955 – Taucheruhr Felsa 810 Bidynator, Dekompressionstabelle

Réalisation : NoPixel

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