Die Idee dahinter – das Patent des Tauchers Jayet
Am Ursprung dieses Projekts steht der Taucher David L. Jayet.
Er entwickelte ein Zifferblatt mit integrierten Dekompressionstabellen
in Form konzentrischer Ringe und meldete das
Schweizer Patent Nr. 312741 an, das das Prinzip und seine
Anwendung in einer Armbanduhr beschreibt.
Mit dieser Erfindung wandte er sich an Cornavin Genf.
Nach langen technischen Gesprächen und mehreren Prototypen entstand die P.810 –
eine Uhr, die Jayets Konzept für Berufstaucher Wirklichkeit werden ließ.
Eine außergewöhnliche Entdeckung in der Werkstatt
Als diese Cornavin in meiner Werkstatt ankam, schien sie
noch nie geöffnet worden zu sein.
Der Gehäuseboden war so fest verschlossen, dass kein Standardwerkzeug
ihn gefahrlos lösen konnte – ich musste ein
Spezialwerkzeug anfertigen, um ihn ohne jede Spur zu öffnen.
Der Anblick war verblüffend: das Uhrwerk
Felsa 810 Bidynator befand sich in
nahezu neuwertigem Zustand, perfekt erhalten nach Jahrzehnten
in einer Schublade. Die alten Öle waren verharzt, doch die Mechanik blieb intakt.
Eine respektvolle Restauration
Das Uhrwerk wurde vollständig zerlegt, gründlich gereinigt
und mit modernen Schmierstoffen wieder montiert.
Das Zifferblatt wurde nur vorsichtig gereinigt, um die
originale Bedruckung und Patina zu bewahren.
Zeiger und Leuchtmasse blieben unverändert.
Neue Dichtungen wurden eingesetzt und die Wasserdichtheit geprüft
(im Rahmen eines historischen Modells).
Nach der Regulierung lief der Bidynator wieder an – mit
bemerkenswerter Präzision, ein Beweis für die Qualität
des Felsa-Uhrwerks.
AMF – eine unerwartete Partnerschaft
Die Gravur AMF auf dem Gehäuseboden erinnert an die Zusammenarbeit
zwischen Cornavin Genf und der amerikanischen Firma
American Machine & Foundry.
AMF war bekannt für industrielle Geräte, Fahrräder und Bowlinganlagen
und suchte in den 1950er-Jahren neue Wege, sein technisches Image zu erweitern.
Das Unternehmen vertrieb mehrere Schweizer Uhren unter dem Namen
AMF Diver – eine Verbindung amerikanischer Ingenieurskunst
und Schweizer Präzision.
Diese doppelte Signatur Cornavin – AMF ist ein seltenes Zeugnis
einer Zeit, in der zwei Welten – Schweizer Uhrmacherei und amerikanische Industrie –
im Streben nach Zuverlässigkeit und Innovation aufeinandertrafen.
Zwischen Technik und Poesie
Die Cornavin P.810 steht für die Zeit, in der
uhrmacherische Erfindungskraft auf das junge Tauchen traf.
Ihr Dekompressionszifferblatt war kein Schmuckelement –
es war ein wissenschaftliches Instrument
zur Sicherheit unter Wasser.
Die wandernde Stundenanzeige verleiht der Uhr eine poetische Note:
Die Zeit offenbart sich langsam im Fenster –
wie der Aufstieg des Tauchers zurück an die Oberfläche.
Ein Zeugnis seiner Zeit
Nach Jahrzehnten in Vergessenheit wiederentdeckt, ist diese
Cornavin Genf P.810 weit mehr als eine technische Kuriosität –
sie ist ein lebendiges Zeugnis der Zusammenarbeit zwischen einem
erfinderischen Taucher, einer mutigen Genfer Manufaktur und einem
amerikanischen Industriepartner.
Mit größtem Respekt vor ihrer Authentizität restauriert, läuft sie heute wieder –
und hat ihren Platz in der Geschichte der Taucheruhren zurückgewonnen.