Die Anfänge von Citizen
Die Geschichte von Citizen beginnt 1918 in Tokio mit der Gründung des Shokosha Watch Research Institute. Bereits 1924 erschien die erste Uhr mit dem Namen Citizen, ein Name, der vom Bürgermeister von Tokio, Shinpei Gotō, vorgeschlagen wurde. Die Idee war klar: eine qualitativ hochwertige Uhr für jeden Bürger zugänglich zu machen. 1930 wurde die Citizen Watch Co., Ltd. offiziell gegründet. Der in Japan ansässige Schweizer Uhrmacher Rodolphe Schmid trug zu den ersten technischen und industriellen Entwicklungen bei.
Japanische Innovation vor den Chronographen
Im Laufe der Jahrzehnte vervielfachte Citizen seine Innovationen. 1959 wurde die Parawater die erste wasserdichte japanische Uhr. 1966 leitete die Cosmotron das Zeitalter der elektronischen, transistorisierten Unruhuhr ein. 1970 schließlich wurde der X-8 Chronometer die erste Titan-Uhr der Welt. Diese Fortschritte bereiteten den Weg für einen entscheidenden Meilenstein: den Einstieg von Citizen in das Feld der automatischen Chronographen.
Das Aufkommen der Citizen-Chronographen
1972 stellte Citizen sein erstes automatisches Chronographenwerk vor: das Kaliber 8100. Im darauffolgenden Jahr machte die Challenge Timer Chronograph diesen Fortschritt populär. Das 8100 zeichnete sich durch seinen einzigartigen Minutenzähler aus, während das vollständigere 8110 einen Stundenzähler hinzufügte und bis heute das begehrteste bleibt.
Technisch gesehen waren diese Werke für ihre Zeit beeindruckend: 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, Schaltrad, vertikale Kupplung und Flyback-Funktion – Merkmale, die man damals eher bei hochwertigen Schweizer Chronographen fand. Ihre Robustheit und Präzision machten sie zu legendären Modellen.
Ikonische Modelle
Der Bullhead (1973–1977)
Citizen-Werbung 1974, Zeitschrift Auto Motor und Sport (Deutschland), mit mehreren Referenzen ausgestattet mit dem Kaliber 8110.
Unter den berühmtesten Uhren mit dem Kaliber 8110 nimmt der sogenannte „Bullhead“ einen besonderen Platz ein. Mit seinen Drückern oben am Gehäuse (bei 12 Uhr) besitzt er eine unverwechselbare Silhouette. Der Citizen 67-9011 Bullhead ist wohl der ikonischste, produziert in mehreren Zifferblattvarianten, darunter das berühmte „Panda“-Design.
Der Octagonal Bullhead (1975)
Citizen Octagonal Bullhead, Ref. 67-9356, Werbung und Katalog Mitte der 1970er-Jahre.
Ein weiteres bemerkenswertes Modell ist der Citizen Octagonal Bullhead (Ref. 67-9356), erkennbar an seinem achteckigen Stahlgehäuse. Mit seinem kantigen Design und den feinen Ausführungen verkörpert er perfekt den Geist der 1970er-Jahre.
Die „TV Screen“-Modelle (1974)
Citizen 8110A „TV Screen“, Ref. 4-901070Y, Werbung 1974.
1974 brachte Citizen auch Modelle heraus, die wegen ihres rechteckigen Gehäuses, das an die damaligen Fernsehbildschirme erinnerte, den Spitznamen „TV Screen“ erhielten. Die Referenz 4-901070Y ist ein herausragendes Beispiel, ebenfalls mit dem Kaliber 8110 ausgestattet.
Die Ein-Zähler-Modelle 8100 (1973–1974)
Citizen 8100A Ein-Zähler, Ref. 67-95xx, Katalog 1973–1974.
Schließlich fand das Kaliber 8100 auch Verwendung in schlichteren Ein-Zähler-Uhren wie den Referenzen 67-95xx. Diese Modelle sind heute bei erfahrenen Sammlern begehrt.
Ein dauerhaftes Erbe
Diese Citizen-Chronographen der 1970er-Jahre sind nicht nur einfache Zeitmesser: Sie verkörpern den japanischen Anspruch, den Schweizern in Präzision und Innovation Konkurrenz zu machen. Ihr mutiges Design, verbunden mit einer bemerkenswerten technischen Architektur, erklärt, warum diese Uhren auch heute noch gesammelt, getragen und bewundert werden.
Wer war Rodolphe Schmid?
Der Schweizer Uhrmacher, der Citizen industrielle Wurzeln gab
Rodolphe Schmid wurde 1871 in Neuchâtel geboren und ließ sich 1894 in Yokohama nieder. Zunächst begann er als einfacher Importeur von Schweizer Uhren, doch angesichts steigender Zollgebühren entschloss er sich bald, vor Ort zu produzieren. Bereits 1908 montierte er aus der Schweiz gelieferte Uhrwerke, und ab 1913 fertigte er auch Gehäuse in seiner Werkstatt in Tokio. In den 1920er-Jahren beschäftigte seine Fabrik fast 200 Mitarbeiter und war damit der zweitgrößte Uhrenhersteller Japans – nach Seikō (Hattori).
1918, parallel zur Gründung des Shokosha-Labors, ließ Schmid die Marke „Citizen“ in der Schweiz für den japanischen Markt eintragen. Der Name wurde später vom Bürgermeister von Tokio, Shinpei Gotō, übernommen und unterstützt, da er überzeugt war, dass eine „Citizen“-Uhr für jeden Bürger erschwinglich sein sollte.
1930 erwarb die Leitung von Schmids Fabrik unter Yosaburō Nakajima Shokosha: So entstand offiziell die Citizen Watch Co., Ltd. Schmids Beitrag war entscheidend: importierte Werkzeugmaschinen im Jahr 1933, von einem Genfer Ingenieur gezeichnete Kaliberpläne 1934 sowie Wissenstransfers über Star Shokai (Importeur von Mido, 1932 in Citizen integriert). Kein Wunder, dass die ersten Citizen-Modelle zahlreiche Merkmale der damaligen Mido-Uhren übernahmen.
Schmid kehrte Mitte der 1930er-Jahre in die Schweiz zurück, blieb jedoch bis 1945 Aktionär von Citizen. Er verstarb 1959 und hinterließ eine entscheidende Rolle: Ohne sein Netzwerk, seine Maschinen und seine Schweizer Erfahrung hätte Citizen nicht so schnell eine solide industrielle Basis aufbauen können.
Sources & Références
Citizen Japan Official Website: History Timeline (Cal.8100 – 1972)
Citizen Global Official Site: Historical Milestones (Challenge Timer – 1973)
Publicité Citizen 1974 (Auto Motor und Sport, Allemagne)
Worn & Wound – Citizen 8110 Octagonal Bullhead Review
Vintage Citizen / Sweephand Blog – Calibres 8100 & 8110
Service Manuals et livrets Citizen des années 1970