Eine ikonische Uhr aus Sicht der Restaurierung
Kurzer historischer Überblick
Die Rado DiaStar wurde 1962 auf der Basler Uhrenmesse vorgestellt und markierte einen Wendepunkt in der industriellen Schweizer Uhrmacherei. Sie wurde als erste kratzfeste Armbanduhr der Welt beworben – eine gewagte Aussage in einer Zeit, in der Uhrengehäuse hauptsächlich aus Stahl oder Gold gefertigt waren.
Der Name vereint zwei zentrale Begriffe:„Dia“ für diamantähnliche Härte und „Star“ für dauerhaften Glanz.
Die DiaStar wurde nicht als klassische Luxusuhren konzipiert, sondern als technisches Objekt, ausgelegt auf Langlebigkeit und täglichen Gebrauch.
Ein innovatives Gehäuse: Hartmetall, verschraubter Boden und integriertes Saphirglas
Das markanteste Merkmal der DiaStar ist ihr Hartmetallgehäuse aus gesintertem Wolframkarbid. Dieses Material ist extrem kratzfest, besitzt jedoch kaum Elastizität.
Ergänzt wird die Konstruktion durch einen verschraubten Gehäuseboden, der durch gezielte Dichtungskompression eine für die Zeit zuverlässige Wasserdichtigkeit gewährleistet. Dieses System basiert auf einer patentierten Lösung, die speziell an die Steifigkeit des Hartmetalls angepasst wurde.
Hinzu kommt eines der frühesten synthetischen Saphirgläser in der Serienuhrenfertigung. Das Glas ist nicht einfach eingesetzt, sondern:
es ist konstruktiv in das Gehäuse integriert, nach einem patentierten Verfahren, das Halt, Dichtheit und hohe Kratzfestigkeit vereint.
Gehäuse, Boden und Glas bilden zusammen eine technische Einheit, die durch mehrere zwischen 1958 und 1961 angemeldete Patente geschützt ist.
Das Uhrwerk und seine zahlreichen Rubine
Bei teilweiser Demontage des Uhrwerks fällt sofort die außergewöhnlich hohe Anzahl an Rubinen auf – in manchen Ausführungen bis zu 57.
Sie spiegeln vielmehr eine marketinggeprägte Denkweise der 1950er- und 1960er-Jahre wider, in denen Marken über hohe Rubinanzahlen Prestige kommunizierten.
Heute sind diese Rubine vor allem ein historisches Zeugnis – nicht zwingend eine technische Notwendigkeit.
Das bewegliche Logo auf dem Zifferblatt – ein diskreter Indikator
Auf dem Zifferblatt fällt das bewegliche Rado-Ankerlogo auf, das in einem kleinen synthetischen Rubin gelagert ist. Dieses Detail ist keineswegs rein dekorativ.
Das Logo ist frei beweglich und dreht sich durch die Schwerkraft.Seine Lagerung wird mit dem gleichen Öl geschmiert wie das Uhrwerk.
Ist das Öl frisch und funktionstüchtig, bewegt sich das Logo frei.
Altert oder verdickt sich das Öl, verlangsamt sich die Bewegung oder bleibt ganz stehen.
Ohne Öffnen der Uhr lässt sich so ein indirekter Hinweis auf den Zustand der Schmierung des Uhrwerkserkennen.
Dieses System ist durch ein 1958 angemeldetes Patent geschützt und steht exemplarisch für Rados funktionale Innovationsansätze dieser Epoche.