Die Vénus SA wurde in Moutier (Kanton Bern) 1924 gegründet (Tätigkeitsbeginn 1923) von den Brüdern Berret zusammen mit O. Schmitz, nach der Übernahme der Fabrik Victor Spozio. Ein Jahr später schied J.-B. Berret aus und wurde durch Gasser & Co (Uhrsteine) ersetzt. Finanzielle Schwierigkeiten führten 1928 zum Anschluss an Ebauches SA.
1933 meldete Vénus ein Patent für ein Chronographen-System an. Ab 1935 konzentrierte sich die Firma auf Chronographen, insbesondere das Kal. 150 (1957 in der UdSSR für das Strela 3017 kopiert). In den 1940er-Jahren folgten die Schlüsselwerke: das Kal. 175 (Schaltrad), produziert bis in die 1960er, und das Kal. 178, eingesetzt u. a. bei Breitling, Minerva, Gallet, Leonidas, Zodiac.
Für günstigere Ausführungen brachte Vénus das nockengesteuerte Kal. 188, ausgelegt für eine einfachere und kostengünstigere Fertigung — direkter Wettbewerber von Landeron.
Das Kal. 150 inspirierte die sowjetische Strela (ab 1957). Um 1966–1967 verkaufte Vénus eine Produktionslinie des Kal. 175 an die Tianjin Watch Factory zur Ausstattung von Militärpiloten; rund 1.400 Stück wurden an die Volksbefreiungsarmee geliefert. 2003 startete die zivile Fertigung als Sea-Gull ST19 erneut.
1966 schloss Vénus SA. Valjoux übernahm Know-how und Werkzeuge: das Vénus 188 bildete die Basis des Valjoux 7730 (später 7733/7734/7736) und führte — über industrielle Kontinuitäten — zum legendären Valjoux 7750 (automatischer Nocken-Chronograph).
Hinweis: Restbestände von Vénus wurden durch Jaquet SA (heute Lajoux-Perret) vermarktet. In den 2000er-Jahren legten mehrere Marken (Maurice Lacroix, Panerai, Parmigiani …) Werke (175, 179, 185) neu auf. Breitling gehörte zu den größten Kunden (viele Premier und Navitimer der 1940er–1960er mit 175/178).
Anfang des 20. Jahrhunderts war Vénus auch eine Uhrenmarke der Schwarz-Etienne (La Chaux-de-Fonds, 1902) — nicht zu verwechseln mit der Rohwerkefabrik Vénus SA in Moutier.
Als Unternehmen verschwunden, bleibt Vénus ein Schlüsselname für Chronographen-Rohwerke. Kal. 175, 178 (Schaltrad) und 188 (Nocken) zählen zu den prägenden Konstruktionen des 20. Jh. Der Sea-Gull ST19 führt dieses Erbe fort.