In ihrer Ausgabe vom Samstag, den 19. Februar 1921, veröffentlichte die Zeitung La Fédération Horlogère Suisse einen Artikel mit dem Titel: «Die Schweizer Chronometrie bei den Internationalen Prüfungen». (DOC 15) Zu dieser Zeit stand Paul Ditisheim auf dem Höhepunkt seines Ruhms.
Bei den internationalen Chronometerprüfungen in Kew / Teddington in England im Jahr 1920 erreichten elf getestete Chronometer mehr als 95 Punkte von 100, die theoretisch möglich sind. Neun dieser elf Uhren tragen die Signatur von Paul Ditisheim. Der Bordchronometer mit der Seriennummer 45'065 errang den ersten Platz mit 96,9 / 100 Punkten und brach damit alle Rekorde der vorangegangenen Jahre.
Paul Ditisheim gewann die Prüfungen von Kew / Teddington insgesamt achtmal, nämlich in den Jahren 1903, 1912, 1913, 1914, 1915, 1918, 1920 und 1924, und erzielte fünf Präzisionsrekorde, die niemand übertreffen konnte. Erst 1926 gelang es der Firma Zenith du Locle, einen neuen Rekord aufzustellen – der erste Konkurrent, dem dieses Kunststück seit 1903 gelang!
Ebenfalls im Jahr 1920, bei den Prüfungen des Marineobservatoriums in Washington DC in den USA, belegte Paul Ditisheim die ersten sechs Plätze des Wettbewerbs, und seine Uhren wurden von der US-Marine erworben.
Bei den jährlichen Wettbewerben des Observatoriums von Neuchâtel in der Schweiz war Paul Ditisheim Stammgast unter den Preisträgern. Er vermerkte lange Zeit die Anzahl der gewonnenen Preise auf den Gehäusen seiner Uhren. Bis 1922 hatte er 332 Preise bei staatlichen Wettbewerben gewonnen, die Mehrheit davon natürlich in Neuchâtel. Allein im Jahr 1920 gewann er 16 Preise bei den Neuenburger Wettbewerben.
Paul Ditisheim ( 28. Octobre 1868, La Chaux-de-Fonds - 7. Février 1945, Genève)
Seine wissenschaftliche Tätigkeit ist beeindruckend: Zwischen Februar 1889 und September 1918 meldete er 15 Patente an, und zwischen September 1919 und Februar 1922 14 Patente. Eine Zeit lang wurde seine Erfindertätigkeit unterbrochen, da er stark von den Schwierigkeiten seines Unternehmens beansprucht war. Doch zwischen August 1925 und April 1931 meldete er erneut 5 Patente in seinem eigenen Namen an, obwohl er bereits in Paris lebte. (Hier werden nur die Schweizer Patente berücksichtigt.) Eine vollständige Erfassung seiner bibliographischen Tätigkeit, die ebenfalls sehr beeindruckend ist, steht noch aus. Seine Patente wurden auch von anderen Herstellern genutzt; zwei Beispiele seien hier genannt.
So trägt ein Minutenrepetitionskalender von LeCoultre eine Patentnummer von Paul Ditisheim betreffend das Schwungrad für den Gang der Minutenrepetition. Die Erfindung der geschnittenen und einfachen ovalisierenden Unruh, für die er gemeinsam mit Charles Volet ein Patent anmeldete, wurde von der Hamilton Watch Co. für die Marine- und Bordchronometer «Model 22 - 21 Jewels» verwendet. Die Ovalisierung des Unruhreifs in Abhängigkeit von Temperaturschwankungen war beabsichtigt und berechnet und veränderte das Trägheitsmoment der Unruh. Charles Volet war damals Assistent von Charles Édouard Guillaume am Internationalen Büro für Maß und Gewicht (BIPM) in Sèvres, dessen Direktor er von 1951 bis 1961 wurde. Beide waren Schweizer Staatsbürger. (DOC 16, DOC 20, DOC 21)
Alle, die das Werk und das Leben von Paul Ditisheim bisher untersucht haben, sind sich einig, ihn als einen der ganz großen Uhrmacher in der Tradition der größten Meister zu betrachten – wenn auch nicht ganz so weitgehend wie Kathleen H. Pritchard, die ihn mit A. L. Breguet vergleicht. Paul Ditisheim hatte viele Bewunderer und Freunde in England. Der Nachruf seines Freundes D. S. Torrens im The Horological Journal, Dezember 1945, erstreckt sich über nicht weniger als elf Seiten (!) des Journals. In diesem Nachruf bezeichnet Torrens Paul Ditisheim als «scientific artist». Eine treffende Beschreibung außergewöhnlicher Begabungen für einen außergewöhnlichen Uhrmacher.
Sein Neffe Frédéric Ditisheim (1920–1995), der Sohn von Georges Ditisheim (1873–1932), schrieb dagegen 1992 in einem Brief über seinen Vater und seine Onkel: «Die Ditisheims liebten, glaube ich, zu sehr die Künste (Alfred, Georges, Henri) oder die Wissenschaften (Paul), um sich ordentlich um ihre Geschäfte zu kümmern … in Wahrheit glaube ich, dass sie (Red. Paul und Georges) sehr schlechte Geschäftsleute waren.» Ein strenges und zugleich sympathisches Urteil. Frédéric Ditisheim nannte sich später Frédéric Ditis und machte eine außergewöhnliche Karriere als Geschäftsmann in der Buchverlagsbranche, zunächst in der Schweiz und vor allem in Frankreich.
Die Bibliographie über Paul Ditisheim ist nicht sehr umfangreich, und man muss viel Geduld haben, um das, was über ihn geschrieben wurde, zu erwerben. Es bleibt festzustellen, dass man bis heute nicht wirklich weiß, warum Paul Ditisheim La Chaux-de-Fonds im Jahr 1924 (laut einigen) oder 1925 (laut anderen) verließ, um sich in Paris niederzulassen, und welche Gründe den Niedergang seines doch so prestigeträchtigen Unternehmens bewirkten. Diese beiden Fragen sind noch zu klären. Zudem schreibt der Autor Fritz von Osterhausen, der ein wunderbares Buch über Paul Ditisheim verfasst hat, dass ihn die sechsstelligen Uhrnummern im Rahmen seines Werkes nicht interessiert hätten (3, S. 97–98). Das bedeutet, dass die wichtigste Uhrenproduktion des Hauses Paul Ditisheim SA zwischen 1920 und 1929 noch entdeckt und datiert werden muss.
Bevor wir in das Thema einsteigen, muss ein technischer Punkt für Sammler berücksichtigt werden.
Bei der fünfstelligen Produktion von Paul Ditisheim sind Werknummer und Gehäusenummer identisch, wie etwa bei Longines oder Vacheron Constantin. Ab den siebenstelligen Nummern unterscheiden sich Werknummern und Gehäusenummern, wie bei Omega, Zenith oder IWC. Dieses System hat für die Hersteller den Vorteil, Serien identischer Werke produzieren zu können, die je nach Kundenwunsch eingehäust werden; theoretisch sind die Produktions- und Lagerkosten dadurch geringer. Doch zwischen der Fertigung des Werkes und dem Einschalen können manchmal Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen, insbesondere bei stark mit Steinen versehenen Werken, die teuer sind und mehr Zeit für den Verkauf benötigen. Für diese Manufakturen gilt: Das Alter einer Uhr ist das Verkaufsdatum, das vom Einschalen bestimmt wird.
Einzige Ausnahme von dieser Regel: die berühmten Bordchronometer mit Gangreserveanzeige (Durchmesser 65 mm / 24 Linien) mit den Nummern 701'000 und folgende.
Im Laufe der Jahre habe ich mehr als vierhundert Fotos von Werken oder Uhren von Paul Ditisheim gesammelt, und meine persönliche Sammlung umfasst 51 Uhren aus der Zeit von 1900–1930, mit einer deutlichen Mehrheit aus den Jahren 1920–1930. Alle diese Uhren wurden von «La Clinique Horlogère / Christian Etienne in Porrentruy» revidiert und befinden sich in perfektem Arbeitszustand. Dies stellt eine ausreichende Grundlage dar, um die Produktion zu datieren.
Das Jahr 1920 war für alle Akteure der Schweizer Uhrenindustrie recht zufriedenstellend. Trotz des Verlustes des russischen Marktes, der die Firmen H. Moser, Paul Buhré und Tissot, die diesen Markt dominierten, in Gefahr brachte, und trotz des wirtschaftlichen Zusammenbruchs von Deutschland und Österreich infolge des Krieges, erreichten die Schweizer Uhrenexporte insgesamt gute Werte.
Niemand ahnte in jenem Jahr, dass 1921 für die gesamte Schweizer Uhrenindustrie ein wahrer «Abstieg in die Hölle» beginnen würde. 1921 sanken die Uhrenexporte im Vergleich zu 1920 um 52 % im Wert und um 43 % in der Stückzahl.
Hier haben wir es mit einer echten Krise zu tun, etwas noch nie Dagewesenem. (DOC 24)
Doch damit war es nicht vorbei – eine lange Deflationsperiode begann 1921. Die Verbraucher- und Produzentenpreisindizes fielen während des gesamten Jahrzehnts von 1921 bis 1930 dramatisch. Infolge des Krieges 1914–18 herrschte zunächst eine allgemeine Inflation, und die Indizes erreichten 1920 ihren Höhepunkt. Für die Verbraucherpreise lag der Index 1920 bei 224 (Basis 100 im Jahr 1914); 1930 fiel er auf 158,4. Dasselbe galt für die Produzentenpreise. (DOC 24)
Es herrschte allgemeine Panik. Entlassungen, Arbeitszeitverkürzungen und Lohnsenkungen breiteten sich aus. Einige gewerkschaftliche Quellen sprachen von 80 % der Erwerbstätigen in der Uhrenindustrie, die teilweise oder vollständig arbeitslos waren. Die Zahl war kaum übertrieben, denn die offizielle Arbeitslosigkeit lag deutlich über 10 %, und so wissen wir zum Beispiel, dass die Firma Zenith in Le Locle ihre Arbeitszeit um 2/3 reduziert hatte. Diese Maßnahme der Arbeitszeitverkürzung wurde von allen praktiziert. Die Situation war tatsächlich dramatisch.
Für Unternehmen stellt Inflation ein geringeres Problem dar als Deflation. In Zeiten der Deflation, also eines allgemeinen Preisverfalls, verlieren die Lagerbestände an Wert, und sehr schnell verlangen die Banken von den Aktionären eine Kapitalaufstockung, um den Wertverlust der Bestände auszugleichen.
Die Statistiken sind eindeutig: Der Durchschnittspreis der exportierten Werke sank von 21,79 CHF pro Stück im Jahr 1920 auf 13,17 CHF pro Stück im Jahr 1927, also um 39 %. (DOC 24)
Eine steuerliche Maßnahme traf die Luxusuhren besonders hart: die Steuer auf die Einfuhr von Luxusgütern, die ab September 1915 zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen eingeführt wurde. Diese Ad-valorem-Steuer von 33 1/3 %, eingeführt im Vereinigten Königreich von Reginald McKenna, wurde nach Kriegsende natürlich nicht aufgehoben. Auch die USA hatten eine vergleichbare Steuer eingeführt. Um die Importkosten zu senken, wurden die meisten Schweizer Markenuhren lokal in den USA und im Vereinigten Königreich in amerikanische oder britische Gehäuse eingeschalt.
Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds fürchteten die Banken zu Recht um ihre Kredite. Bei Zenith zum Beispiel verlor die Kantonalbank die Geduld. 1925 mussten die Aktionäre, um die gewährten Kredite zu tilgen, ihre Aktien abtreten (!). Das sollte sich als schlechte Lösung für die Zukunft von Zenith erweisen! Andere Manufakturen erlitten dasselbe Schicksal, ihre Kreditverträge wurden von den Banken schlicht gekündigt.
Was tat Paul Ditisheim in dieser Zeit? Paul Ditisheim hatte bereits 1918 auf Expansion gesetzt – zu spät, um noch umzukehren. Es war eine Erfindung seines Freundes Charles Édouard Guillaume, die ihn alle Risiken eingehen ließ.
Charles Edouard Guillaume (1861–1938) war ein lebenslanger Freund von Paul Ditisheim. Zwischen 1915 und 1936 war er Direktor des Internationalen Büros für Maß und Gewicht in Sèvres bei Paris. 1920 erhielt er den Nobelpreis für Physik für seine Arbeiten über Ferronickel, insbesondere Invar und Elinvar. Paul Ditisheim gehörte zu den allerersten, die die Guillaume-Unruh verwendeten, die man allgemein «Integralunruh» (DOC 1) nennt und die Paul Ditisheim «Compensateur Guillaume» nannte. Zu Ehren seines Freundes gravierte er auf die Brücken der Uhren die Angabe «Compensateur Guillaume». Er war dazu in keiner Weise verpflichtet – es war eine Hommage an seinen Freund.
Charles Edouard Guillaume hatte Paul Ditisheim sicherlich über die Arbeiten eines anderen Nobelpreisträgers für Physik von 1909 informiert: Guglielmo Marconi, den Erfinder (zusammen mit Ferdinand Braun) der drahtlosen Telegraphie (oder Telephonie) – der TSF. Marconi gründete 1897 in London die Firma «Wireless Telegraph and Signal Co» und kurz darauf in den USA die «American Marconi Wireless Corporation», die später zur «Radio Corporation of America» (RCA) wurde.
Alles ging sehr schnell: Auf der Ausstellung in Bern 1914 hatte Paul Ditisheim einen außergewöhnlichen Stand und erhielt den Grand Prix des Jury, was ihm viel Neid einbrachte. Auf derselben Ausstellung empfing man am Stand der Marke OMEGA ein Zeitsignal per TSF, das vom Eiffelturm in Paris ausgesendet wurde und es erlaubte, die auf dem Stand gezeigten Uhren und Chronometer täglich und sehr präzise einzustellen. Selbst ohne große Fantasie konnte man bereits den bevorstehenden Niedergang des Marktes für sehr präzise und damit teure Schiffs-Chronometer erahnen, da eine geringere Qualität, die täglich nachgestellt werden konnte, künftig ausreichen würde! 1920 gründete Marconi die Firma «Marconi International Marine Co.», die sich mit der Installation von TSF-Sende- und Empfangsanlagen auf Schiffen befasste (!). Ein Geschäft, das ihn reich machte. Es ist klar, dass Paul Ditisheim die Folgen dieses technologischen Fortschritts vorausahnte.
Zur gleichen Zeit hatte Charles Edouard Guillaume seinen Freund sicher auch über seine Arbeiten und Versuche zum «Elinvar» informiert. (DOC 2 + DOC 22) Es ist erstaunlich, dass Charles Edouard Guillaume am 4. Juni 1918 das Patent auf Elinvar anmeldete. Warum erstaunlich? Der Erste Weltkrieg 1914–1918 endete am 11. November 1918! Also führte Charles Edouard Guillaume mitten im Krieg seine Versuche in den Werkstätten der Stahlwerke von Imphy im Zentrum Frankreichs durch, um seine Legierung zu entwickeln, die er Elinvar nannte – ein Akronym für «élasticité invariable» (unveränderliche Elastizität).
Mitten im Krieg stellt man sich eine Stahlhütte eher als Waffenproduzent vor und nicht als Entwickler neuer Legierungen für Uhrspiralen.
Die Elinvar-Spirale besitzt einen sehr geringen, ja praktisch null thermoelastischen Koeffizienten bei Raumtemperatur. Das war revolutionär – und blieb es bis zum Patent der «NIVAROX»-Spirale, das von Reinhard Straumann, Direktor der Montres Thommen in Waldenburg / Basel-Landschaft, am 19. April 1931 in Deutschland und am 28. November 1932 in der Schweiz eingereicht wurde. (DOC 18 und 19)
Es wird berichtet, dass Guillaume rasch Proben von Elinvar-Spiralen an Paul Ditisheim und an die Firma Ulysse Nardin in Le Locle übergab. Die industrielle Anwendung der Erfindung wurde von der «Société des Fabriques de Spiraux Réunies» sichergestellt.
Die Verwendung von Elinvar für die Spirale der Uhren eröffnete neue kommerzielle Perspektiven, auch wenn die TSF eine echte Bedrohung für die Präzisionsprodukte der Firma Paul Ditisheim SA darstellte.
Die Gründung von Solvil ist indirekt «die Schuld von Charles Edouard Guillaume» – insofern, als die Verwendung der Elinvar-Spirale in einer Uhr von nun an jede sekundäre Gangabweichung beseitigen würde. Eine schöne wissenschaftliche Herausforderung für Paul Ditisheim – doch wirtschaftlich setzte er leider alles aufs Spiel, um sein Ziel zu erreichen.
Am 15. August 1918 entsteht in Sonvilier die «Fabrique Solvil SA» mit einem Kapital von 100'000 Franken. Ab diesem Zeitpunkt werden die Uhren von Paul Ditisheim an zwei unterschiedlichen Standorten gefertigt: in La Chaux-de-Fonds und in Sonvilier, die sich respektive DITIS und SOLVIL nennen.
Am 30. Oktober 1920 wird das Kapital auf 200'000 CHF erhöht.
Die Muttergesellschaft war Paul Ditisheim SA, Rue du Parc 27, in La Chaux-de-Fonds. Seit 1892 war Paul Ditisheim eine Personengesellschaft; erstaunlich ist, dass der Übergang zur Aktiengesellschaft erst sehr spät, nämlich am 3. Januar 1917, erfolgte. Das Kapital beträgt 500'000 Franken, und am 25. Dezember 1917 wird es auf 750'000 Franken erhöht. Im Verwaltungsrat sassen Paul und seine drei Brüder Georges, Jules und Henri. Die beiden letzteren waren Handelsvertreter bei VULCAIN, einem Unternehmen, das von ihrem Vater Gaspard, dem Bruder von Maurice Ditisheim, «mitbegründet» worden war. Wir haben es also weiterhin mit einer Familienangelegenheit zu tun.
Am 6.9.1924 wird der Verwaltungsrat neu besetzt; ihm gehören nun an:
Am 7.10.1924 wird das Aktienkapital um 405'000 CHF herabgesetzt und beträgt fortan 345'000 CHF. Für die damalige Zeit sind das enorme Summen.
Es ist so gut wie sicher, dass die Banken von der Paul Ditisheim SA, der Muttergesellschaft, eine Patronatserklärung für die Solvil (Sonvilier) gewährten Bankkredite verlangten. Das war damals üblich – wie auch heute!
Die Tatsache, dass die Firma Paul Ditisheim in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, hat nichts mit den angesammelten finanziellen Verlusten zu tun, die letztlich zu einer Kapitalherabsetzung und zu einem erheblichen Kontrollverlust der Person Paul Ditisheim über das Unternehmen führten.
Parallel dazu wird bei Solvil in Sonvilier der Verwaltungsrat ebenfalls neu besetzt; es sind dieselben Mitglieder wie bei Paul Ditisheim SA, zusätzlich mit Herbert Jeanneret, Direktor, La Chaux-de-Fonds. Ohne die Protokolle der Sitzungen ist es unmöglich zu sagen, wer Verwaltungsratspräsident war. Diese Information ergibt sich nicht aus den Dokumenten/Archiven der Handelskammern, da das Schweizer Recht vorsieht, dass sich der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft selbst konstituiert.
Da wir wissen, dass die Geschichte schlecht endet, bleibt zu klären, was zwischen dem 15. August 1918, dem Gründungsdatum der Fabrique Solvil, und dem 6. September 1924, dem Datum der quasi Absetzung der Familie Ditisheim im Verwaltungsrat und dem Wohnsitzwechsel von Paul Ditisheim von La Chaux-de-Fonds nach Paris, geschah.
Paul Ditisheim hatte sich mit der Gründung von Solvil am 15. August 1918 finanziell verpflichtet. Anfang 1920 mietet er von LONGINES / Saint-Imier ein riesiges, nagelneues Gebäude auf dem Gebiet der Gemeinde Sonvilier. (DOC 11) Dieses Gebäude war entweder völlig überdimensioniert für die Bedürfnisse der Paul Ditisheim SA, oder es bestand der Wille zu extremem Wachstum. Das Gebäude existiert noch heute; es beherbergt Wohnungen, und die meisten grossen Fensterfronten wurden zugemauert.
Paul Ditisheim belässt es nicht bei diesen Investitionen: Als Erweiterung des Gebäudes Rue du Parc 25 in La Chaux-de-Fonds lässt er 1920 durch den Architekten Henri Grishaber eine grosse Werkstatt zur Rue de la Serre hin errichten. Am Giebel steht in Reliefschrift: Chronomètres.
Paul Ditisheim dachte wirklich sehr gross.
Erst am 31. August 1920 meldet Paul Ditisheim sein erstes Patent für die Unruh mit Affixen an (Schweizer Patent 91'169 / Erteilung 17. Oktober 1921), und am 25. August 1921 meldet er sein zweites Patent für dieselbe Unruh mit Affixen an (Schweizer Patent 98'234 / Erteilung 1. März 1923). Diese Patentnummern werden üblicherweise auf die Platten der 19-linigen Taschenuhren graviert. Eine eindeutige Datierung der Produktion ist möglich. (DOC 3 + DOC 4)
Am 27. August 1921 stellte Paul Ditisheim anlässlich eines Vortrags der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft (Sektion Geophysik, Meteorologie und Astronomie) seine Erfindung des Paars Unruh mit Affixen / Elinvar-Spirale vor und zudem den neuen Schiffs-Chronometer in zwei Ausführungen: mit Chronometerhemmung (Detent) und mit Ankerhemmung. (DOC 13)
Bemerkenswert ist die Integrität von Paul Ditisheim, der die Mitarbeit seiner Kollegen Werner Albert Dubois (Regleur) bei der ersten Ausführung und Auguste Bourquin, vor 1918 hauptverantwortlicher Regleur bei Paul Ditisheim SA, bei der zweiten Ausführung ausdrücklich erwähnt.
Dieser sehr innovative Schiffs-Chronometer, Modell 1921 genannt, war bereits bei der Société Française de Physique im Rahmen eines Vortrags in Paris am 31. März / 1. April 1921 vorgestellt worden. Da der Weltmarkt für solche Schiffs-Chronometer sehr klein war, blieb die Produktion gering.
Bis 1924 waren die höchsten Nummern, die in Neuchâtel einen Preis oder einen Gangschein erhielten, die Nr. 169 für die Detent-Version und die Nr. 1016 für die Anker-Version. Da die Nr. 101 der Prototyp war, ergibt das jeweils 68 Stück (Detent) und 16 Stück (Anker). Der Verkauf höherer Produktionsnummern erstreckte sich bis in die 1930er-Jahre.
Es ist festzustellen, dass Frédéric Ditisheim (DITIS) mit seinem Urteil über seinen Onkel wahrscheinlich recht hatte. Die Geschäftsführung war nicht seine erste Priorität.
Im Jahr 1920 repräsentierte die Firma Paul Ditisheim SA gleichzeitig höchsten Luxus – wie die Preisliste der Uhren zeigt –, äußerste Präzision und den kommerziellen Erfolg der Schweizer Uhrenprodukte im Export. Während er im August 1921 in Zürich die Vorzüge seiner Erfindungen anpries, «verbrannte» sein Unternehmen Kapital wie ein gewöhnliches «Start-up». Der Kontrast war frappant.
Aufgrund der Investitionen musste die Produktion in das neue Gebäude in La Chaux-de-Fonds verlegt werden, und in Sonvilier sollte eine Produktion von Damenuhren beginnen: dies wurde die Serie 300'000 und folgende sowie ab 1922 die Serie 500'000 und folgende.
In der Organisation des Unternehmens herrschte Unordnung. Hier einige Beispiele aus meiner Sammlung :
Diese Realität zeigt sich oft. Man kann vermuten, dass die Lagerbestände aufgebläht waren – das bedeutet viel gebundenes Kapital, das an Wert verliert: mit Recht der Horror für jeden Banker.
Im zweiten Halbjahr 1922 begann in Sonvilier die Serienproduktion des 19-linigen Kalibers mit ungeschnittener monometallischer Unruh mit Affixen und Elinvar-Spirale.
Es ist in zweifacher Hinsicht eine Weltpremiere – sowohl in Bezug auf die Spirale als auch auf die Unruh. Meiner Ansicht nach ist das Werk für seine Zeit herausragend: ein schöner, gut konstruierter und sauber finissierter Chronometer.
Aus kommerzieller Sicht ist es eine Katastrophe. Vier Jahre nach der Übergabe der Elinvar-Spiralproben durch Charles Édouard Guillaume und zwei Jahre nach den Investitionen in La Chaux-de-Fonds und Sonvilier kommt dieses Kaliber viel zu spät. Paul Ditisheim hatte zu viel Kapital investiert – und das viel zu früh – in einem äußerst feindlichen wirtschaftlichen Umfeld.
Diese 19-linigen Kaliber mit Unruh mit Affixen und Elinvar-Spirale stellen – bei weitem – die wichtigste Produktion von Solvil in Sonvilier dar. Zwischen 1922 und 1924 wurden ungefähr 10'500 Stück gefertigt, das ist wenig. Sie tragen die auf eine Brücke gravierten Produktionsnummern, und zwar 650'000 bis 653'500 (ca.) und 715'000 bis 722'000. Mit einer Fehlermarge von 142 Stück gilt: alle Uhren vor der Nummer 651'151 sind normalerweise mit der Patentnummer 91'169 gekennzeichnet, und die Uhren nach der Nummer 651'293 sind normalerweise mit der Patentnummer 98'234 gekennzeichnet. «Normalerweise» deshalb, weil einige Länder sichtbare ausländische Patentvermerke auf den Brücken ablehnten; in solchen Fällen weicht die Patentnummer oft der Angabe der Anzahl der Rubine.
Bis heute heißt es, dieses 19-linige Kaliber sei von LeCoultre produziert worden. Ich widerspreche dieser Behauptung. Zwar war die Firma LeCoultre in Le Sentier zu jener Zeit der naheliegende Rohwerkefabrikant für die prestigeträchtigsten Marken. Patek Philippe, Vacheron Constantin und Paul Ditisheim kauften den allergrößten Teil ihrer Ébauches bei LeCoultre.
Die Zusammenarbeit war so eng, dass LeCoultre 1929 Patek Philippe übernehmen wollte (und scheiterte) und 1938 schließlich Vacheron Constantin übernahm.
Was viele Experten in ihren Beurteilungen der damaligen Schweizer Uhrenproduktion leider oft übersehen, ist die Struktur der Industrie. Gewiss waren Firmen wie OMEGA, Zenith oder Longines bereits 1920 recht stark integriert, insofern sie den größten Teil der Komponenten einer Uhr selbst herstellten. Zenith SA verfügte sogar über eine eigene Fertigung für Goldgehäuse!
Doch die Stärke und Dynamik der 80 Manufakturen, die die Branche 1930 zählte, wurde ebenso von 600 Etablisseuren und 500 Zulieferern für Einzelteile getragen. Eine weltweit einzigartige geografische Konzentration uhrmacherischen Know-hows. 1920 war die Lage ähnlich. Zwischen den Extremen – alles selbst herstellen oder ein fertiges Rohwerk kaufen – waren alle Kombinationen möglich.
Man kann davon ausgehen, dass selbst für die eigenen und exklusiven Teile von Paul Ditisheim SA höchstwahrscheinlich weder Platinen noch Triebe in den eigenen Ateliers gefertigt wurden. Wie bei anderen Manufakturen auch konnte, wenn die Werke eigene Konzepte/Entwürfe waren, alles Übrige bei Bedarf von Dritten ausgeführt werden. Das ist sehr typisch für die Schweiz.
Gewiss gibt es eine frappierende Ähnlichkeit zwischen dem Kaliber 8 von LeCoultre und dem 19-linigen Kaliber von Paul Ditisheim, bedingt durch die bei beiden Werken vorhandene Brücke über dem Federhaus; diese Ausführung hieß bei LeCoultre «barillet en demi-vue». Es gibt jedoch einen technischen Grund für eine Federhausbrücke: Sie verleiht einem guten Chronometer eine hohe Steifigkeit, und auch andere Hersteller nutzten dieses Konzept für ihre eigenen Chronometer-Qualitätswerke (z. B. Longines, Ulysse Nardin).
Dagegen ist die unter der Brücke verborgene Sperrvorrichtung des Sperrrads der einzige – wenn man so will – Schwachpunkt des 19-linigen Kalibers von Paul Ditisheim SA: Man sollte die Uhr ohne Hast aufziehen. Bei LeCoultre wurde eine ähnliche Sperrvorrichtung zwischen 1885 und 1902 in der Schweiz dreimal patentiert, also dreimal verbessert. Ihre Zuverlässigkeit ist untadelig, und man erkennt sie unter allen: Man betrachtet den Sperrkegel des Sperrrads und weiß – ohne weitere Information –, dass es sich um ein LeCoultre-Werk handelt. Es ist wenig glaubwürdig anzunehmen, LeCoultre hätte für einen guten Kunden des «Maison» schlechter gearbeitet, falls LeCoultre der Hersteller dieser Werke gewesen wäre.
Auf der Grundlage der Konstruktion des neuen exklusiven Kalibers 19 Linien von Paul Ditisheim SA wurde eine ganze Kaliberfamilie entwickelt. (DOC 12) Nämlich: ein 16-liniges Kaliber (Produktion ab 1924, Seriennummer 400'000 und folgende), ein extra-flaches 16 ½-liniges Kaliber (Produktion ab 1928, Seriennummer 470'000 und folgende) und ein 10 ½-liniges Kaliber für Armbanduhren für Herren (Produktion ab 1925, integriert in die Serie 715'000 und folgende).
Nur das 19-linige Kaliber erhielt eine Unruh mit Affixen, kombiniert mit einer Elinvar-Spirale, und zwar bis zur Seriennummer 740'531 (mit einer Fehlermarge von 456 Stück). Ab der Seriennummer 740'987 wurde sie nicht mehr verwendet und durch die patentierte Unruh von Werner Albert Dubois ersetzt, wie wir später sehen werden.
Ich möchte hier nicht die wissenschaftlich-technischen Vorteile der Unruh mit Affixen in Kombination mit einer Elinvar-Spirale im Vergleich zu anderen technischen Lösungen erläutern – dies wäre ein weites Thema für einen eigenen Artikel.
Beim sorgfältigen Lesen der verschiedenen Patente von Paul Ditisheim erkennt man die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Unruh mit Affixen und der Elinvar-Spirale.
Das bedeutet klar und deutlich, dass Elinvar zu jener Zeit noch kein standardisiertes Industrieprodukt war.
Im ausgezeichneten Artikel von Johann Boillat (4), der im Internet als PDF zugänglich ist, findet sich die schwierige Geschichte der mangelnden Homogenität von Invar in seinen Anfängen. Bei Elinvar traten dieselben Probleme auf – jedoch weitaus schwieriger zu lösen. Und dennoch hielt Paul Ditisheim durch, um eine Lösung zu finden; schließlich war er der Champion der Präzision: Er passte seine Affixen an die wechselnde Qualität der gelieferten Invar-Güsse an. Hier kann man nicht mehr von einem Industrieprodukt sprechen, sondern von hochentwickelter Uhrmacherkunst – und die war sehr teuer. Zu teuer.
Je nach den physikalischen Eigenschaften des «gelieferten Elinvar-Gusses» sind die Unruhen also unterschiedlich. Man darf mit Recht erstaunt sein.
Im Juli 1926 erschien in einer britischen Werbung mit Foto der Unruh mit Affixen der Text: «Best at Kew since 1903, a scientific timekeeper at a reasonable price.» Wie rechtfertigt man einen «angemessenen Preis…»?
Neben den Problemen mit Elinvar darf man die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, die sich aus der gleichzeitigen Verwendung mit einer ungeschnittenen monometallischen Unruh ergeben. GLUCYDUR sollte erst viel später, etwa 1936/1937, für Unruhen eingesetzt werden.
Es dauerte dreieinhalb Jahre, die Anwendung von Elinvar im 19-linigen Kaliber zu entwickeln – viel zu lange. In dreieinhalb Jahren ändert sich die Welt, und die Märkte entwickeln sich weiter.
Die Herrenarmbanduhr wurde in den Schützengräben des Krieges 1914–1918 geboren. Es war viel praktischer, die Zeit am Handgelenk abzulesen, als in der Tasche nach einer Uhr an einer Kette zu suchen. Für Traditionalisten und Liebhaber uhrmacherischer Präzision war die Taschenuhr damals jedoch weiterhin maßgebend.
1913 waren lediglich 2 % der exportierten Schweizer Uhrwerke Armbanduhren; dieser Anteil stieg 1922 auf 35 % und 1929 auf 47 %.
Die Firma Paul Ditisheim SA war für ihre Goldschmiede-Armbanduhren für Damen bekannt. Für Herren hingegen scheint das Angebot an Armbanduhren 1922 nahezu inexistent gewesen zu sein – ein schwerer Fehler.
Vor dem Ersten Weltkrieg war die typische einfache Dreizeiger-Herrenuhr von Paul Ditisheim SA eine Lépine aus 18-Karat-Gold, mit Kaliber 8, 19 Linien von LeCoultre, Guillaume-Unruh, mit einem Gehäusedurchmesser ohne Krone von 54,5 mm und einem Gesamtgewicht von 122 g, davon 50 g Gold. Diese Uhren waren selbstverständlich von höchster Präzision.
Nach dem Krieg waren diese Modelle überholt – zu groß, zu schwer und zu teuer. Es waren die USA, der wichtigste Auslandsmarkt für die Schweizer Uhrenindustrie, die die Mode vorgaben. Ein 19 ¼-liniges Werk entsprach in den USA «size 16», ein 17 ¾-liniges Werk «size 12» – und der Markt tendierte zu diesen size 12-Werken. Weniger Volumen und weniger Gewicht: das war die Forderung der Kunden, auch in Europa. Das Gewicht dieser goldenen size 12-Uhren, etwa von Patek Philippe und Hamilton, lag bei 38 g bzw. 41 g. Das entspricht dem Gewicht des «nackten» 19’’’-Werkes von Paul Ditisheim (ohne Gehäuse, Zifferblatt usw.), nämlich 37 g. Vom Volumen ganz zu schweigen! Mit einem 19-linigen Kaliber auf den Markt zu gehen, bedeutete also ein gewisses Risiko.
Ein Vorwurf an Paul Ditisheim zur Erklärung des Niedergangs des Unternehmens ist, dass er die Qualität der Produkte zugunsten der zu produzierenden Menge geopfert habe. Bei diesem Argument muss man jedoch zwischen der uhrmacherischen Eigenqualität des Werkes und dem Rest der Uhr – also Gehäuse, Zifferblatt usw. – unterscheiden.
Von Anfang an wurden die 19-linigen und 16-linigen Taschenuhrwerke als Chronometer mit 18 Rubinen konzipiert. Es handelte sich also um präzise und teure Uhren. Doch darf man nicht denken, dass sich das jeweils Beste auch am besten verkaufte – weder bei Ditisheim noch bei anderen Manufakturen.
Beispiele:
Paul Ditisheim SA sah sich selbstverständlich gezwungen, den Preis der Werke zu senken. Das 19-linige Kaliber wurde sehr schnell auch in Versionen mit 16 und 15 Rubinen angeboten. Doch alle Werke behielten ansonsten ihre technischen Merkmale und die gleiche Qualität der Finissierung. So war beispielsweise bei den ersten Modellen die Ankerhemmung aus angliertem und poliertem Stahl gefertigt; bald darauf wurde sie angliert, poliert und vergoldet. Vergoldet blieb sie bis zur Nummer 740'531 in fast allen Versionen. Man hätte es billiger machen können – wie es auch andere prestigeträchtige Manufakturen taten, deren Namen ich hier nicht nennen werde!
Dagegen war die Komplikation «Gangreserve», die ab etwa der Werknummer 715’586 angeboten wurde (ebenso 715’622, 715’629, 715’709, 716'232, 716'234, 716’251 und 716’275), geeignet, den Preis der Werke zu erhöhen. Die Werke 715’586 und 715’709 wurden in Mahagonikästen mit 65-mm-Zifferblättern eingeschalt und sollten offensichtlich als Bord- oder Beobachtungsuhren dienen.
Bei den 16-linigen Werken ist die Situation differenzierter: dieses Kaliber wurde in verschiedenen Finissierungsqualitäten produziert. In den Versionen mit 18 Rubinen ist die intrinsische Qualität des Chronometerwerks tadellos. In den Versionen mit 17 und 16 Rubinen erkennt man Einsparungen, etwa weniger Chatons, nicht anglierte Anker usw. Doch alle 16-linigen Modelle besitzen eine konventionelle bimetallische, geschnittene Unruh und eine Stahlspirale. Schwer zu verkaufen ist eine Uhr mit solch einem Regulierorgan, wenn man andererseits behauptet, die Unruh mit Affixen in Kombination mit der Elinvar-Spirale stelle die Spitze des uhrmacherischen Fortschritts dar.
Man kann die Produktion des 16-linigen Kalibers in der Serie 400'000 zwischen 1924 und 1927 auf rund 12'000 Stück schätzen. 1928 erschien das neue 16 ½-linige Kaliber, dessen Nummerierung mit 470'000 begann. Die Produktion des 16-linigen Kalibers lief weiter, seine Nummerierung befand sich jedoch nun unter den Nummern 741'000 und folgende. Welche weiteren Maßnahmen wurden zur Kostensenkung ergriffen?
Nichts Außergewöhnliches: das Stempeln der Marke auf dem inneren Deckel wurde nicht mehr vergoldet; ab der Werknummer 717'811 (ca.) wurde «Patented Compensation» durch «Pat.Compens.» ersetzt.
Wenn das bevorzugte Metall von Paul Ditisheim für Privatkunden Gold war und für professionelle Zwecke Silber (925 Sterling), dann ist ein Politikwechsel deutlich sichtbar. Die 19- und 16-linigen Werke wurden in Silbergehäusen angeboten und später auch in Weiß- oder verchromten Metallgehäusen!
Fazit: Gewiss, 19-linige Kaliber mit 15 Rubinen in Weißmetallgehäusen entsprechen nicht mehr der gewohnten «Qualität» von Paul Ditisheim, ebenso wenig den bisherigen Preisen. Man muss sich jedoch ins Gedächtnis rufen, dass alle Manufakturen neue Absatzmärkte suchten – auch die abwegigsten.
Die Manufakturen begannen, Tischuhren herzustellen (OMEGA, ZENITH und LeCoultre), Neuenburger Pendulen des 20. Jahrhunderts (Zenith), Uhren für Lastwagen, Busse und Autos (Zenith und OMEGA), Spardosen-Uhren … (Zenith) … Jeder wollte die Werkstätten auslasten – die Zeiten waren hart.
Doch die Werknummern 720'000 und folgende stellen einen Bruch dar, ja sogar einen möglichen radikalen Strategiewechsel in der Vermarktung der Produktion bei Paul Ditisheim SA.
Der Bruch
Es ist so gut wie sicher, dass ab der Werknummer 720'000 ungefähr, also im vierten Quartal 1924, die Person Paul Bernard Ditisheim die Kontrolle über das Unternehmen verloren hatte.
Denn plötzlich tauchen sehr merkwürdige Versionen des 19-linigen Werkes mit Gangreserve auf, die nach meiner Meinung nicht das Gütesiegel von Paul Ditisheim trugen. (DOC 14)
Bis hierhin stammen all diese Stücke aus meiner Sammlung.
Die große Dame Kathleen H. Pritchard berichtet, dass ethische Probleme Paul Ditisheim dazu veranlassten, La Chaux-de-Fonds zu verlassen und nach Paris zu ziehen – ohne die genauen Gründe zu nennen.
Paul Ditisheim erinnerte sich sicherlich daran, dass er sein 19-liniges Kaliber mit Affixen an den Juwelier Tiffany & Co / New York verkauft hatte (Werk signiert Paul Ditisheim Nr. 716'229, ausnahmsweise mit 19 Rubinen, in einem achteckigen 18-Karat-Gehäuse von C. H. Meylan, mit Tiffany & Co-Signatur auf dem Zifferblatt). Das war absolute Spitzenklasse, und 33 % Einfuhrsteuer spielten keine Rolle, da man sich darum schlicht nicht kümmerte.
Zehn Monate nachdem er Tiffany & Co beliefert hatte, mit demselben Kaliber «Private Label» oder «No Name» machen zu wollen, bedeutete mit Sicherheit ein ethisches Problem und zudem einen unverzeihlichen Fehler in der Geschäftsstrategie. Vom absoluten Luxus zum Discount – das ist Selbstmord. Tatsächlich wurde diese Discount-Strategie glücklicherweise nicht weiterverfolgt.
Statt mit Tiffany zu kooperieren, arbeitete die neue Leitung von Paul Ditisheim SA auf dem amerikanischen Markt mit einem sehr sympathischen Freigeist zusammen: Charles Dépollier und seiner Depollier Watch Company, Inc. (DOC 5 + DOC 6)
Der Vater von Charles Dépollier, Jaques Dépollier, war 1875 von Genf in die USA ausgewandert. 1877 gründete er eine Gehäusefabrik, die DUBOIS Watch Case Company. Jaques Dépollier starb 1914. Sein Sohn Charles war ein sehr aktiver Erfinder und ein wahrer Pionier der «Waterproof & Dustproof»-Armbanduhr, die die amerikanischen Soldaten im Ersten Weltkrieg in den Schützengräben trugen, wobei die Werke von WALTHAM stammten. Zusammen mit einem anderen ausgewanderten Schweizer in den USA, Joseph Brun, meldete er am 6. Oktober 1921 ein US-Patent für eine Stoßsicherung an. Diese Stoßsicherung kam mit Werken auf den Markt, die mit «JURASSIA WATCH Co SWISS» signiert waren – eine Marke, die heute völlig unbekannt ist, selbst im Buch von Kathleen H. Pritchard. Sie wurde sofort von den amerikanischen Werksherstellern boykottiert, nicht nur von WALTHAM.
Ab 1925 begann die Zusammenarbeit zwischen der Dépollier Watch Company, Inc. und Paul Ditisheim SA. Das 19-linige Kaliber wurde von Dépollier nicht verkauft. Die Stoßsicherung wurde in den Ateliers von SOLVIL auf die 16-linigen Kaliber der Serie 400'000 und auf die Armbanduhren der Serien 300'000 und 500'000 montiert. Ich habe die Spur von 26 Uhren gefunden, die gemeinsam mit Paul Ditisheim und Dépollier signiert sind. (DOC 6)
Normalerweise wurden diese Uhren in den USA eingeschalt, da Dépollier seine eigene Gehäuseproduktion hatte. Die Uhren meiner Sammlung sind atypisch, da ihre Gehäuse Schweizer Fabrikation sind.
Sicher ist, dass Charles Dépollier nach dem Börsencrash von Wall Street im Oktober 1929 in Konkurs ging. Sein Geschäft lag ganz in der Nähe von Wall Street, seine Kundschaft war vor ihm bankrott. Das letzte Werk mit der Signatur Dépollier New York trägt die Nummer 758'108.
Die Nummern 761'768, 778’765 und 779'927 besitzen zwar eine Stoßsicherung und die Gravur «Schock Absorber», tragen aber keine Signatur «Dépollier New York» mehr. Entweder hatte Joseph Brun seine Rechte an SOLVIL verkauft oder er verkaufte auf eigene Rechnung – unmöglich zu sagen.
Jedenfalls kann man mit einer Fehlermarge von 3'660 Werken sagen, dass das Werk 758'108 aus dem Jahr 1929 stammt, also noch vor dem Konkurs der «Dépollier Watch Company». Diese Feststellung wird durch zwei andere Uhren bestätigt.
Selten wurden Uhren in Großbritannien mit Gehäusen Schweizer Herkunft verkauft, wegen der hohen Einfuhrzölle, wie wir gesehen haben. Dennoch konnte ich zwei Uhren mit Silbergehäusen erwerben, die eine eindeutige Datierung ermöglichen, da die britischen Silberpunzen auch für importierte Stücke eine Datierung erlauben. Die Uhr mit dem 19-linigen Werk Nr. 727'996 und dem Gehäuse Nr. 458'380 datiert von 1925, und die Uhr mit dem 16-linigen Werk Nr. 750'768 und dem Gehäuse Nr. 309'674 von 1928. Klar ist, dass eine Schweizer Uhr von 1922 zwar einen Importstempel von 1927 haben konnte, wenn sie zu diesem Zeitpunkt importiert wurde – hier war das jedoch nicht der Fall.
Die Herstellung der Unruh mit Affixen war zu teuer. Das ist nicht meine Behauptung, sondern die von Paul Ditisheim selbst in seinem Schweizer Patent 155’167, eingereicht am 2. April 1931. (DOC 23)
Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits alle Beziehungen zu seinem Unternehmen abgebrochen, meldete jedoch trotzdem ein Patent an für ein neues «Verfahren zur Herstellung von bimetallischen Affixen für monometallische Unruhen in Verbindung mit Elinvar-Spiralen». Sein Durchhaltevermögen grenzt fast an Tragik. Er schreibt: «Es ist klar, dass solche Affixen teuer waren, was die Verbreitung des Regulierungssystems, bestehend aus Elinvar-Spirale und monometallischer Unruh, behinderte.»
Weil die Affixen teuer waren, mussten neue Lösungen gefunden werden – und es war der Regleur Werner Albert Dubois, der eine Lösung fand. Werner Albert Dubois bleibt eine legendäre Persönlichkeit in der Uhrenwelt.
DUBOIS STEINBRUNNER, Werner Albert (1879–1952), Uhrmacher. International renommierter Präzisions-Regleur, beteiligt an zahlreichen Arbeiten für Uhrenfirmen. Von 1906 bis 1949 erhielt er 803 Preise für Marine-, Bord-, Taschen- und Armband-Chronometer, darunter 52 Guillaume-Preise und 398 erste Preise. Er starb in La Chaux-de-Fonds am 21. März 1952 im Alter von 73 Jahren. (Ref.: Der wahre «Messager boiteux» von Neuchâtel, 1953, S. 48 – Feuille d'avis de Neuchâtel, 23. März 1952, S. 8)
Von 1911 bis 1918 war Werner Albert Dubois Regleur bei Omega, wo er Albert Willemin ersetzte. 1918 trat er in die Dienste von Paul Ditisheim SA und wurde bei Omega von Carl Billeter abgelöst. Bei Paul Ditisheim ersetzte er Auguste Bourquin, der weiterhin ein gutes Verhältnis zu Paul Ditisheim pflegte, der ihn bat, den Prototyp des Kalibers 1921 (Marinechronometer) herzustellen. Laut meinen Unterlagen arbeitete Werner Albert Dubois ausschließlich für Paul Ditisheim SA bis 1930 und danach auf Anfrage für verschiedene Uhrenmarken.
Jedenfalls meldete Werner Albert Dubois am 6. Februar 1926 in der Schweiz und am 18. September 1926 in Frankreich ein Patent für eine Vorrichtung zur Regulierung von Uhrwerken an. Am 29. September 1926 reichte er dasselbe Patent in den USA ein, diesmal jedoch «für die Fabrique Solvil des montres Paul Ditisheim» (dort hieß es: Assignor to…). Zwischen dem 18. und 29. September 1926 hatte er seine Erfindung also an Paul Ditisheim SA verkauft.
Diese Patente beschreiben nichts weniger als neue monometallische, geschnittene Unruhen mit auflaminierten Messingeinsätzen, die er «surcharges» nannte. (Siehe DOC 8, DOC 9 und DOC 10)
Er konnte die Wirksamkeit seiner Erfindung nachweisen, da es eine Uhr Nr. 731'190 (Ende 1925 – Anfang 1926) gibt, die am 6. Juni 2002 bei Antiquorum/Genf verkauft wurde und auf deren Auktionskatalogfoto die neue Unruh zu sehen ist. Zwei weitere Uhren mit diesem Unruhtyp tragen die Werknummern 735’803 und 736’896. Er hatte seine Erfindung also ausgiebig getestet, bevor er sie an Paul Ditisheim SA verkaufte. Das letzte Werk mit Affixen trägt die Nummer 740'531, und ab der Nummer 740'987 wurde sie nicht mehr verwendet. Wir befinden uns im ersten Halbjahr 1927. (Fehlermarge: 456 Stück)
Der Vorteil der Erfindung von Werner Albert Dubois lag in ihrer Anpassungsfähigkeit an alle Uhrengrößen, vom 8-Linien- bis zum 19-Linien-Kaliber, was mit der Unruh mit Affixen nicht möglich war.
Die Elinvar-Spirale wurde ebenfalls mit der Unruh von Werner Albert Dubois verwendet. Die Nachteile des Elinvar wurden dadurch jedoch nicht beseitigt.
Im Schweizer Patent von Reinhard Straumann zum «Nivarox», eingereicht am 28. November 1932, äußert Reinhard Straumann folgendes Urteil über Elinvar: (DOC 18 + DOC 19)
Was im Nivarox-Patent nicht gesagt wird, ist, dass die perfekte Homogenität der Nivarox-Legierung durch das brandneue Verfahren des Vakuumschmelzens erreicht wurde, das die Firma Heraeus-Vacuumschmelze AG in Hanau bei Frankfurt ab dem 1. Juli 1923 anbieten konnte (auf der Grundlage einer Erfindung/Patentschrift von 1913). Dies war eine Innovation, die Charles Edouard Guillaume für Elinvar nicht zur Verfügung stand.
Abschließend bleibt zu bestimmen, welche Uhren zwischen der Nummer 700'000 und 714'999 gefertigt wurden.
Fritz von Osterhausen hatte bereits festgestellt, dass die Nummern 700'000 bis 700'999 nicht verwendet wurden. Tatsächlich lässt sich feststellen, dass zwei Werke/Uhren, die ursprünglich fünfstellige Nummern trugen, auf eine siebenstellige Nummerierung umgestellt wurden: 701'000 und folgende. Dabei handelt es sich um die großen Bordchronometer von 24 Linien des Typs 1 nach Fritz von Osterhausen sowie um eine kleine extraflache Uhr von 16 Linien mit einem Werk von LeCoultre allererster Qualität, die in erster Linie für den amerikanischen Markt bestimmt war.
Annonce 1924
Bei den großen Bordchronometern (Foto 10), unabhängig von den Zifferblattaufschriften, lassen sich zwei Serien feststellen. Die erste Serie trägt auf dem inneren Deckel der Uhr die Gravur 332 state prize, die zweite Serie die Angabe 412 state prize. Diese Gravur «332 state prize» findet sich auch auf ähnlichen Werken mit den Nummern 65’286 und 65'290, zum Beispiel. Dank eines Hinweises auf einem Uhrengehäuse (siehe Foto 11) wissen wir, dass Paul Ditisheim im Jahr 1922 bereits 332 Preise erreicht hatte, sodass die Gehäuse von 1923 stammen. Die zweite Serie mit «412 state prize» wurde nach 1925 graviert. Zudem sind diese Bordchronometer von 701'292 (2. Preis Neuchâtel 1924) bis 701'339 für ein Chronometer mit einem Gangschein des Observatoriums Neuchâtel 1924 und von 703'225 (Gangschein Neuchâtel 1925) bis 703'444 für ein Chronometer mit Gangschein und einer Einstufung auf Rang 60 am Observatorium Neuchâtel 1930 nummeriert. Die bekannte Nummerierung endet bei 703'454 für ein Chronometer, das in den 1950er Jahren an die deutsche Armee verkauft wurde. Ich bestätige damit, was Fritz von Osterhausen bereits festgestellt hatte: die Praxis, alte Seriennummern zu verwenden, die unbenutzt geblieben oder reserviert waren.
Im besten Fall sprechen wir von 266 Bordchronometern, die in den Serien 701'000 und 703’000 einen Gangschein erhielten. Da Estelle Fallet die Spur von 16 Marinechronometern ohne Gangschein gefunden hatte – was erstaunlich ist – ist es wahrscheinlich, dass dasselbe Phänomen auch bei den Bordchronometern existierte. Jedenfalls ist die Gesamtzahl der mit siebenstelligen Seriennummern produzierten Stücke gering.
Neben diesen Bordchronometern gibt es extraflache Uhren von 16 Linien mit einem LeCoultre-Werk von allerbester Qualität, das für den amerikanischen Markt bestimmt war. Es handelt sich um 18-rubis-Werke mit sechs Adjustierungen, die verkauft wurden, während man auf das eigene 16-linige Kaliber von Paul Ditisheim SA ab 1924 wartete. Die Zahl der (wieder-)gefundenen Werke ist jedoch sehr gering – nur sechs Exemplare insgesamt. Ich glaube nicht, dass mehr als 1500 bis 2500 Uhren zwischen den Nummern 701'000 und 714'999 hergestellt wurden. Zudem habe ich keinerlei Gewissheit, dass bei den Armbanduhren die höchsten Nummern 319'300 und 507'200 wären.
Was die fünfstellige Nummerierung betrifft, verweise ich die Sammler auf das Buch von Fritz von Osterhausen. Ich habe keine unwiderlegbaren Beweise dafür, dass die Produktion 1927 eingestellt wurde. Tatsächlich tragen die höchsten Nummern in dieser fünfstelligen Serie die Ziffern 96’6xx, und es handelt sich dabei um Bordchronometer von 22 Linien (entspricht 49,6 mm) neuen Typs. Die ersten Gangscheine wurden 1927 ausgestellt. Es wurden nicht mehr als 99 Stück produziert.
Für die übrigen Nummerierungen und Produktionen liefern Indizien und Querverweise von Ereignissen und Belegen durchaus glaubwürdige Ergebnisse.
Innerhalb einer Serie von 300'000 bis 650'000 findet man immer dieselben Werke. Wenn «außerplanmäßige» Werke verwendet wurden, tragen sie Nummern 701'000 und folgende und es handelt sich dabei stets um Werke für Armbanduhren.
Betrachtet man die Zahlen, wird deutlich, dass der Produktionsanstieg Zeit benötigte – zu viel Zeit. Wenn die Produktionskosten des 19-linigen Kalibers mit Affixen zu hoch waren im Vergleich zu den auf den Exportmärkten erzielbaren Verkaufspreisen, dann führte jede Produktionssteigerung dieses Kalibers letztlich nur zu höheren finanziellen Verlusten oder zumindest nicht zu nennenswert höheren Gewinnen. Ein Drama für Paul Ditisheim.
Die finanzielle Lage besserte sich trotz der Veränderungen im Verwaltungsrat nicht. Am 10. November 1928 wurde im «Schweizerischen Handelsamtsblatt» folgende Mitteilung veröffentlicht. (DOC 7)
Kt. Bern, Bezirk Courtelary (2930)
Mit Urteil vom 4. November 1928 verlängerte der Präsident des Bezirksgerichts Courtelary die dem Unternehmen Fabrique Solvil des Montres Paul Ditisheim S. A. in Sonvilier am 29. September gewährte Nachlassstundung um zwei Monate, also bis zum 29. Januar 1929. Die ursprünglich auf Montag, den 12. November 1928, angesetzte Gläubigerversammlung wurde auf Montag, den 14. Januar 1929 verschoben. Sie findet ab 14 Uhr in den Geschäftsräumen der Schuldnerin in La Chaux-de-Fonds, Rue du Parc 25, statt. Die Akten können ab dem 4. Januar 1929 eingesehen werden. Sachwalter: Emile Jacot, Adv., Sonvilier.
Eine Einigung wurde nicht gefunden, und am 17. Mai 1929 wurde die Firma Paul Ditisheim SA in La Chaux-de-Fonds liquidiert.
Am 14. Mai 1929 war Paul Ditisheim als Verwaltungsratsmitglied der Firma «Fabrique SOLVIL des montres Paul Ditisheim SA» zurückgetreten. Damit ging eine Epoche zu Ende.
Zunächst zum Menschen Paul Ditisheim. Sein Freund David Smyth Torrens hatte ihn als «scientific artist» bezeichnet, und er hatte vollkommen recht. Gegen jede wirtschaftliche Rationalität liebte Paul Ditisheim technische und wissenschaftliche Herausforderungen. Er bleibt eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit, die unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Schweizer und weltweiten Uhrmacherei hinterlassen hat. Vergessen wir nicht, dass er auch nach seinem Weggang nach Paris produktiv und erfinderisch blieb, indem er bei der «Compagnie Française de Raffinage» unter anderem das Verfahren des Épilame entwickelte.
Was seine Uhrenproduktion betrifft, so gibt es viele Gründe, seine Uhren zu sammeln. Ich beschränke mich hier auf die uhrentechnischen Gründe.
All diese Stücke zeugen vom erfinderischen Genie ihrer Schöpfer in der Geschichte der Uhrmacherei.
Anmerkungen: Text: Copyright Jean Villot
Fotos: Copyright Christian Etienne, Jean Villot
Die in Klammern stehenden Zahlen (x) im Text beziehen sich auf die Bibliografie. Die mit (DOC XX) gekennzeichneten Texte beziehen sich auf die Originaldokumente, die auf der Website «cliniquehorlogère / Christian Etienne / Porrentruy» verfügbar sind https://www.cliniquehorlogere.ch/fr/archives-diverses.html, zusammen mit allen Werbeanzeigen der Marke.